Die Anfänge der Bewegung: Woher stammt die Bezeichnung "Goth" ?

Die Bezeichnung "Goth" wurde von Ian Astbury benutzt um Andi Sex Gang als "gothic pixie" zu beschreiben und wurde schließlich durch die englischen Musikmagazine New Musical Express und Sounds populär, die damit gleich eine ganze Musikrichtung gekennzeichnet haben. Für einige Leute wurde  diese Musik zur Basis ihres gesamten Lebens. Sie brachten ihrer eigenen Erfahrungen und Interessen mit und es entwickelte sich eine Subkultur, die sich Gothic nannte. Anfang der Achtziger Jahre entstand die Wave-Gothic-Szene aus der Punk-Szene (die um 1976 herum begann) heraus. Dieser gewaltige Bruch mit der normalen Pop- und Rockmusik ließ irgendwann in den 80ern die Gothic-Musik entstehen. Der Fun-Punk hatte als düstere Parallele den Depro-Punk. Der Depro-Punk sah nur den Untergang, das Ende und "No Future" durch Arbeits-losigkeit, Atomverseuchung, Umweltgefahren, Chemiekatastrophen und Gen-Experimente. Die Schwarzen wandelten für sich die negative Einstellung in eine etwas romantisch angehauchte Philosophie um. Damit kam auch die Rückbesinnung auf frühe Zeiten, besonders auf das späte Mittelalter, als die Menschen durch Pest und Cholera wie die Fliegen starben und das Ende der Menschheit für alle klar zu sehen war. Dazu kommt der Blick in die Romantik-Ära im 18. und 19. Jahrhundert. Damals trat die industrielle Revolution mit Dampfkraft und Elektrizität ihren Siegeszug um die Welt an und provozierte damit eine romantische Gegenbewegung, die sich besonders in der phantastischen Gothic-Novel (Schauergeschichte) ein Ventil suchte. Auch die anderen Künste flüchteten sich damals in die phantastische Romantik. Die Gotik  Das Wort "gothic", engl. für "gotisch" bezieht sich auf einen indo-europäischen Stamm, der sich schließlich mit den anderen Völkern Europas vermischt hat und heute nicht mehr existiert. Unter der Gotik versteht man die Stilepoche zwischen Romanik und Renaissance. Ihre Eigenständigkeit gegenüber der Antike kommt in dem an sich abwertend gemeinten Begriff (il gotico = ital. "barbarisch", "nicht antik") zum Ausdruck, der aber erst nachträglich in der Renaissance geprägt wurde. Die Leute, die im gotischen Stil gebaut haben, haben selbst diese Bezeichnung nie benutzt. Die Geschichte der Gothic-Bewegung  Der NME und Sounds übernahmen den Ausdruck Gothic von Siouxsie Sioux (von den Banshees), die damit die neue Richtung ihrer Band beschrieb. Die früheste bekannte Benutzung des Ausdrucks Gothic im Zusammenhang mit Musik stammt jedoch von Anthony H. Wilson, der 1978 im Fernsehprogramm der BBC Joy Division (deren Manager er war) as Gothic beschrieb, um sie von der konventionellen Musik abzugrenzen. Auch wenn Joy Division heute nicht mehr unbedingt das sind, was im allgemeinen unter Gothic verstanden wird, so besteht die Möglichkeit, das sie der Ursprung des Wortes sind. Auch die Band Bauhaus wurde bereits 1979, als sie "Bela Lugosi's Dead" veröffentlichten, "gothic" genannt.  Die Popjournalisten haben das Wort dann schnell übernommen, um es auf eine Vielzahl verschiedener Bands der frühen 80er Jahre anzuwenden. Die meisten davon klangen zwar nicht wie z.B. die Banshees, aber den Journalisten kam es mehr auf das Aussehen an. Ein gutes Beispiel ist hier die Band (Southern Death ~) Cult, die wie die Banshees zu dieser Zeit viel schwarze Kleidung mit Silberschmuck trugen und extrem schwarze Haare hatten. Ebenso die Sisters of Mercy; und als sich Wayne Hussey von ihnen trennte und mit The Mission eine eigene Band gründete, wurde auch The Mission gothic genannt, obwohl sie doch ganz anders klangen und anders motiviert waren als die Sisters. Schließlich erschienen die Fields of the Nephilim, die dafür sorgten, daß man sie auch als Gothband betrachtete obwohl sie wieder anders klangen und nicht mal so aussahen, wie es sich (bis dato?) fuer einen Goth gehört hat. Die Fans von Bands wie den Sisters, Bauhaus oder Siouxsie haben sich von je her gerne schwarz gekleidet. Die Musik, die sie hörten, war das Gegenstück zur bunten Diskomusik der Siebziger Jahre. Die Musik von Joy Division, den Sisters und Bauhaus war voller Verzweiflung, die sich nach innen wandte und viele Anhänger dieser Musik waren ebenfalls introvertiert. Einige von ihnen liesen sich von dem Wort "gothic" täuschen und dachten an eine Verbindung zum englischen viktorianischen Gothic Revival mit seinen "gothic" Horrorgeschichten, da viele glaubten, gerade diesen Horror zu erleben. Als der NME und Sounds davon erfuhren, erzeugten sie viele lustige Artikel, die unter den Gothics ihrer Leser und Leserinnen für viel Heiterkeit sorgten. Sie sagten, daß das Gothic-sein darin bestünde, den ganzen Tag und vor allem die ganze Nacht in verrauchten Bars auf dem Boden zu sitzen und darüber zu reden, wie es denn wärre, wenn man eine Fledermaus sein könnte. Deshalb wurden einige Gothics sehr wütend, aber die meisten nahmen es mit Humor. Die erste Gothic-Generation bemängelt öfter, daß die nachfolgenden Generationen glauben würden, Gothicsein bestünde darin, das schwärzeste Schwarz zutragen, mit viel Silberzeugs drann und nach  Möglichkeit blaß und zerbrechlich auszusehen. Nichtsdestotrotz halten alle zusammen, wenn es darum geht, allzu kommerzielle Rockmusik zu verabscheuen. Gelesen wird Bram Stoker, Anne Rice und H.P. Lovecraft, man redet gerne über Vampire und über das Ende der Welt. Gothic Musik gab es in den späten Siebzigern auch in anderen Ländern als in England, aber nach meiner Meinung wurde außerhalb von England nie das Wort "Gothic" benutzt (Falls es jemand besser weis, bitte schreiben...) Momentan liegt der Schwerpunkt der Gothic-Bewegung in Deutschland, wo man ihre Anhänger "Grufties" oder "Schwarze" nennt. Heute bedeutet "Gothic" Musik, Literatur, Kunst, Kleidung und Subkultur. Eine Subkultur, die provoziert und schockt. Eine Anti-Kultur, die durch Stil und Zeichen ihre Ablehnung artikuliert, die aber trotzdem viel friedlicher und unpolitischer ist als viele Jugendsubkulturen zuvor, insbesondere als die der Punks, aus der sie hervorgegangen ist. Während die Punks der frühen achtziger Jahre meist noch fest auf dem Boden der rauhen Wirklichkeit standen und ihre Musikgruppen mit Texten wie "Mollies und Steine gegen Bullenschweine" zwar strittige, aber sehr weltliche Rezepte zum Ausleben von Frustrationen lieferten, ist die Musik der "Schwarzen" geprägt von einer düsteren Endzeit-Romantik.  Subkultur - das ist immer auch eine Antwort auf die etablierte Kultur. Subkultur ist immer Abgrenzung nach außen und Wiedererkennen nach innen. Während in der Punkkultur Empörung, Provokation und Aufbruch eine große Rolle spielten, heißt "Gruft" viel mehr Verweigerung und Rückzug. Subkultur meint aber auch: Einwände und Widersprüche zur Schau stellen, auf Konflikte hinweisen, alltägliche Dinge mit neuen Bedeutungen belegen. Weiße, leichenblasse Gesichter in einer Zeit, in der Sonnenstudios Hochkonjunktur haben und Bräune als Inbegriff von Erfolg, Jugend und Leistungsfähigkeit gilt. Schwarz als Lebensauffassung, wo Politik und Werbung die Zukunft in Rosarot malen, und der "Jugend von heute" allenthalben Optimismus bescheinigt wird. Umgedrehte Kreuze, aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, durchbrechen ein Tabu, Musik von Tod und Teufel schockiert in einer Gesellschaft, in der das Sterben-Müssen verdrängt und ewige Jugend das Ideal ist. Stil als Provokation, Stil als Auflehnung, Stil als Abgrenzung, Stil als Wiedererkennungsmerkmal - Stil ist die Macht der Ohnmächtigen, welches Mitglieder von Subkulturen meistens sind. Seit viele Medien über den Okkultismus-Boom berichteten und gerade die "Grufties" zu Satansjüngern stempelten, sind die Antipathien gegen die "Zwischenfall-Grufties" und ihre Kollegen in Coesfeld, in München, in Stuttgart gewachsen. Okkultismus ist ein durch die Medien gemachtes Thema, und in Wahrheit gibt es ihn nicht - so die Auffassung des Soziologen Ulrich Müller. Aber Jugendkulturen in unserer Zeit sind in der Regel Medienkulturen - und dies aus drei Gründen: Medien spielen bei der Verbreitung und Rezeption von Stil eine wesentliche Rolle. Sie spielen als Medien der Subkultur - sozusagen als gemeinsames Kulturgut - insbesondere in den Bereichen von Musik und Film eine zentrale Rolle. Sie treiben die spätere Integration und Vermarktung entstandener Subkulturen voran. In der Anfangszeit jedoch prägen sie vor allem das Image einer Subkultur und die öffentliche Meinung.Und auf die "Grufties" haben sich die Medien des Außergewöhnlichen wegen mit besonderem Interesse gestürzt. Da werden aus "Grufties" schnell "Friedhofskinder" und aus den "Friedhofskindern" noch schneller "Satanisten", oder, wie es der Barkeeper in der Bochumer Gruft-Disco "Zwischenfall" ausdrückt: "Mit den Jungens hier ist es wie bei den Erwachsenen: Drei sind vielleicht Alkoholiker, zwei kiffen, einer verprügelt seine Frau und einer ist Satanist. Und für den interessieren sich dann alle." So herrscht bei den Anhängern dieser Subkultur Skepsis über die Berichterstattung. Sie stören sich daran, daß viele Meldungen schlicht falsch sind - aus Sensationsgier oder aus Unkenntnis. Sie haben auch Angst, daß Eltern, Lehrer oder Bekannte glauben könnten, was fälschlicherweise über sie berichtet wird. Jürgen ist 20 Jahre alt, Schlosser, " Tellerträger" und regelmäßiger "Zwischenfall"-Besucher: "Da kamen Berichte im Fernsehen. Motto: Die Grufties sind an allem schuld. Die haben Teufelsanbetungen und Jungfrauenopferungen und so. Da habe ich irgendwann gesagt: Das ist doch totaler Quatsch. Die Grufties gehören genauso zu den Schwarzen wie meinetwegen ein Tellerschädel oder so. Sie ziehen sich fast genauso an, meinetwegen mehr mit Kreuzen und kuttenmäßig. Und da habe ich gesagt, das stimmt doch alles gar nicht. Und jetzt halten sie dich alle für einen Gruftie, für einen Teufelsanbeter und womöglich habe ich noch ein Grab in meinem Zimmer, wo ein Toter drin liegt, ach, nicht 'nen Grab, 'nen Sarg, wa ? Ein Freund von mir aus Bochum, war auch bei diesem Fernsehbericht dabei, den konnte man total gut erkennen. Ein paar Tage später war er seine Lehrstelle los, weil der Chef es gesehen hatte. So kraß ist das.Und der geht da auch einfach nur hin, just for fun, und möchte einfach nur am Wochenende gut drauf sein. Ihm gefällt die ganze Szene - und schon sitzt er plötzlich auf der Straße. " Jürgen, der "Schwarze", hat selbst keinen Bezug zu Satanskulten oder ähnlichem: "Der Teufel hat bei mir eigentlich recht wenig damit zu tun. Das ist eher mit der Musik gekommen. Ich habe irgendwann aufgehört, Disco-Musik zu hören und mich schick anzuziehen. Das war so ungefähr die Zeit, wo ich angefangen habe, Hardrock und Heavy zu hören, dann habe ich Punks kennengelernt, bin ich so da drauf gekommen und irgendwann bin ich halt bei den Schwarzen gelandet. Ich habe mich nur noch schwarz angezogen, weil ich Schwarz schon immer 'ne starke Farbe fand. Das hat gerade so zu der Musik gepaßt. Und dann wurde es ziemlich wild, und da fand ich es halt stark, die Haare hoch zu haben und habe mir einen Teller gemacht. Ich kenne etliche Leute, die sagen: "Ich bin ein Gruftie, aber kein Teufelsanbeter." Ich finde das fetzig, mich nachts auf einem Friedhof rumzutreiben und mir tierisch viele Kreuze um den Hals zu hängen, aber mit Teufelsglaube hat das nichts zu tun." Ablehnung durch die Gesellschaft und Auflehnung gegen die Gesellschaft - zwei Ursachen für die Entstehung jugendlicher Subkulturen. Manchmal vermischen sich die beiden Motive - doch die meisten "Schwarzen" wollen mit der Gesellschaft nur das Notwendigste zu tun haben, ziehen sich zurück. Sie rebellieren nicht, sie wollen ihre Ruhe. Für Rene, einen "Schwarzen" mit "Tellerfrisur", hat das Styling mehrere Funktionen: "Ich widersetze mich den gesellschaftlichen Vorstellungen, indem ich mich einfach anders frisiere. Ich schädige damit letztendlich keinen, aber ich habe